Treffpunkt Politik Podium vom 12. März 2026, Gasthof Weisses Kreuz, Kallnach

Ein gut besetzter Saal, engagierte Stimmen und spürbare Energie: Unser zweiter Anlass der IG Punkt brachte über fünfzig interessierte Menschen zusammen – und zeigte eindrücklich, wie lebendig und nahbar Politik sein kann.

Zwölf Grossratskandidierende aus Kallnach und der Region Seeland nutzten die Bühne, um ihre Anliegen zu teilen, Einblicke in ihre Motivation zu geben und darüber zu sprechen, wie sie sich für mehr Vielfalt in der Politik einsetzen wollen.

Nach der Begrüssung durch Beatrice Scheurer (IG Punkt) führten die Moderatorinnen Simone Lippuner und Jasmin Jaun (Berner Zeitung / Der Bund) souverän und mit viel Gespür durch den Abend.

Vier Podien in vier Themenblöcken

In vier spannenden Gesprächsrunden wurde argumentiert, diskutiert und auch hinterfragt:

Gesundheit

Teilnehmende: Ursula Jakob-Schmid (SVP), Manuela Kocher (SP), Samuel Zysset (Die Mitte)

Im Fokus stand die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Einigkeit bestand darin, dass Reformen nur unter Einbezug der Fachpersonen sinnvoll umgesetzt werden können. Die Konzentration auf weniger Spitäler wurde als Chance für moderne, leistungsfähige Zentren gesehen, vorausgesetzt, die regionale Vernetzung bleibt gewährleistet.

Zur Senkung der Kosten wurde mehr Engagement in Prävention und Gesundheitsförderung gefordert. Auch psychosoziale Faktoren sollten stärker berücksichtigt werden. Zudem sei es zentral, qualifiziertes Personal im Beruf zu halten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Bildung, Familienpolitik und Soziales

Teilnehmende: Thomas Hunziker (GLP), Oriana Pardini (SP), Eva Maria Spack (Die Mitte)

Diskutiert wurden insbesondere die Herausforderungen im Bildungsbereich. Um Lehrpersonen langfristig zu halten, brauche es Entlastungen und neue Ansätze. Für Familien seien verlässliche Tagesstrukturen entscheidend. Innovative Modelle wie beispielsweise in Belp sollen erprobt und ausgewertet werden.

Im sozialen Bereich wurde betont, dass dezentrale Lösungen für Flüchtlinge sinnvoll sind. Chancengleichheit soll durch Zugang zu Sprachkursen, Bildung und Arbeitsmöglichkeiten gefördert werden.

Landwirtschaft, Wirtschaft und Umwelt

Teilnehmende: Barbara Béguin-Jünger (FDP), Jacqueline Weber (SVP), Patrick Zysset (Grüne)

Hier standen unternehmerische Freiheit und nachhaltige Landwirtschaft im Mittelpunkt. Eine stärkere Orientierung an Angebot und Nachfrage könne Überproduktionen vermeiden. Innovative Direktvermarktung durch Hofläden wurde als Chance hervorgehoben.

Zudem wurde ein Abbau bürokratischer Hürden gefordert. Gleichzeitig brauche es mehr Verständnis der Bevölkerung für landwirtschaftliche Prozesse, um faire Preise zu ermöglichen. Ein bewusster Einkauf spielt dabei eine entscheidende Rolle: Regionale Produkte sollten gegenüber importierten Angeboten bevorzugt werden.

Für eine langfristig gesicherte Produktion sei Biodiversität zentral. Neue Erkenntnisse im Umgang mit Böden sowie ökologische Massnahmen wie die Förderung von Gewässern wurden als wichtige Schritte genannt.

Raumplanung, Mobilität und Energie

Teilnehmende: Stefan Nobs (FDP), Monika Stampfli (GLP), Ruth Tennenbaum (Grüne)

Die Diskussion zeigte, wie wichtig zeitgemässe Planung und gute Kommunikation bei Infrastrukturprojekten sind. Bestehende Projekte müssten regelmässig hinterfragt und an heutige Bedürfnisse angepasst werden.

Im urbanen Raum wurde insbesondere die Förderung des Fuss- und Veloverkehrs betont. Gleichzeitig gelte es, regionale Unterschiede zu berücksichtigen. Eine vorausschauende Raumplanung könne helfen, Wachstum nachhaltig zu gestalten und Wohnraum bezahlbar zu halten.

Vielfalt braucht Mut – und Unterstützung

Die Stimmen der Kandidierenden waren vielfältig und doch einte sie ein Gedanke: Politik soll die Gesellschaft widerspiegeln. Dafür braucht es mehr Frauen, mehr unterschiedliche Lebensrealitäten, mehr Perspektiven.

Besonders deutlich wurde: Frauen sollen ermutigt werden, sich einzubringen, sichtbar zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Netzwerke, gegenseitige Unterstützung und echte Zusammenarbeit sind dabei entscheidend. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Männer den Frauen bewusst Raum schaffen und diese Entwicklung aktiv mittragen.

Doch Vielfalt geht weiter: Auch Menschen mit Behinderungen, unterschiedliche Altersgruppen und Personen ohne Schweizer Pass sollen stärker einbezogen werden. Politik lebt davon, dass möglichst viele mitreden und mitgestalten können.

Die zentrale Botschaft des Abends:
Mut machen. Räume öffnen. Gemeinsam gestalten.

Fragen, die bewegen

Auch das Publikum brachte wichtige Themen ein: die Vertretung der französischsprachigen Minderheit im Kanton Bern, Fragen zur Landwirtschaft sowie das geplante Windrad in Bargen. Die Diskussion zeigte: Der Dialog endet nicht auf dem Podium – er beginnt dort erst richtig.